Bauen mit einer Muskelhypothek

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Die Muskelhypothek bezeichnet die zu erbringende Eigenleistungen des Bauherrn im Zusammenhang mit dem Bau oder auch der Sanierung einer Immobilie.

Jeder, der an seinem eigenen Haus aktiv mitwirken kann, der kann einiges an Geld sparen. Eine Eigenleistung sollte immer gut durchdacht sein. Viele Arbeiten am Haus kosten viel Zeit und Nerven. Bei einer sogenannten Muskelhypothek muss einiges beachtet werden.

Bauen liegt immer mehr im Trend. Seit der aktuellen Finanzkrise gilt das Betongeld als eine sichere Investition. In vielen Orten sind die Preise für die Immobilien stark in die Höhe geschossen. Daher ist es besonders ratsam, sich nach weiteren Einsparmöglichkeiten umzuschauen.

Jeder Bauherr, der selbst an seinem Haus Geld anlegt, kann die Kosten um einige tausend Euro senken. Die Eigenleistung ist aber nicht ganz ohne. Sie erfordert nicht nur ein handwerkliches Geschick, sondern auch sehr viel Zeit. Beide Punkte sollte ein Hausbauer nicht unterschätzen.

Die Rechnungen sieht auf den ersten Blick sehr gut aus: Bei einem Reihenhaus mit 140 qm² Wohnfläche inklusive Keller können die reinen Baukosten von 275.00 Euro rund 25.000 Euro eingespart werden, wenn der Besitzer selber aktiv an den Sanierungen oder Renovierungen teilnimmt. Hierbei sollte aber nicht vergessen werden, dass hinter dieser Summe ein Arbeitsaufwand von ca. 850 Stunden steckt.

Lange Arbeitstage auf der Baustelle

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Selber bauen: So sparen Sie Geld mit Eigenleistungen.

Kann man sich den Umbau tatsächlich leisten? Diese Frage sollte sich jeder Hausbesitzer oder potentieller Käufer stellen, bevor er das Wagnis einer Muskelhypothek eingeht. Wer nicht viel Geld angespart hat oder im Lotto gewonnen hat, der wird neben dem Umbau auch noch einer Arbeit nachgehen, die durch den Umbau nicht leiden sollte.

Nach Feierabend werden dann von vielen Hausbesitzern die Ärmel hochgeschoben und bis in die späte Nacht gearbeitet. Wer schon einmal auf einer Baustelle gearbeitet hat, der weiß, wie viel Kraft das kostet. Nebenbei kommt die Familie durch das doppelte Arbeiten zu kurz.

Viele Bauherren stöhnen, dass die Sanierung viel Zeit in Anspruch nimmt und die Last für einen reibungslosen Ablauf auf den eigenen Schultern sitzt. Viele Nächte und jedes Wochenende müssen für die Arbeiten aufgewendet werden, was unter anderem auch zu Problemen in der Ehe führen kann.

Dazu kommt, dass viele Bauherren fachlich nicht wirklich viel zu bieten haben. Viele Bauherren können daher nicht so einfach werkeln, wie sie möchten. Ein Bauunternehmen hat in den meisten Fällen einen konkreten Zeitplan. Die Eigenleistung muss sich terminlich perfekt einfügen lassen. Wenn es dann noch zu einer Verzögerung am Bau kommt, weil der Bauherr seinen Teil der Arbeit nicht schnell genug schafft, muss er dafür haften. Im schlimmsten Fall verliert er seinen Gewährleistungsanspruch auf einige Arbeiten. Das ist immer dann der Fall, wenn nicht mehr nachvollzogen werden kann, ob ein Schaden durch das Bauunternehmen oder durch den Bauherren selber entstanden ist. Ein Bauherr ist immer dann auf der sicheren Seite, wenn er nur Arbeiten übernimmt, die erst dann anfallen, wenn der eigentliche Bau des Hauses bereits fertig ist. In diesem Fall wurde das Haus bereits abgenommen und die Garantieansprüche sind nicht in Gefahr. Viele Hausherren übernehmen nur kleinere Arbeiten wie zum Beispiel die Wände streichen oder das Verlegen der Böden.

Anders sieht es aus wie bei einem sogenannten Ausbau- oder Mitbauhaus. Diese werden von zahlreichen Hausherstellern angeboten. Bis zu 20.000 Euro können dadurch eingespart werden. Jedem Immobilienbesitzer stehen ganz unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung. Diese Möglichkeiten beginnen mit dem Rohbau, der komplett ausgebaut werden soll. Alle notwendigen Ausbauarbeiten werden häufig von den Anbietern vorgegeben. Bei vielen Häusern wird festgelegt, welche Arbeiten mit dem Unternehmen abgestimmt werden müssen. Viele Experten raten, dass man auf eine detaillierte Ausbauanleitung achten muss, in der alle Baustoffe, Materialien und Arbeitsgänge beschrieben wurden. Es gibt beim Service und bei der Unterstützung durch den Hersteller große Unterschiede.

Welche Versicherung wird benötigt?

Alle Arbeiten sollten nur verrichtet werden, wenn sie vom Hausherren tatsächlich geleistet werden können. Das gibt der Präsident Thomas Penningh des „Verein Privater Bauherren“ (VPB) zu bedenken. Ansonsten könnte es passieren, dass eine Einfahrt errichtet wird, die keinen tragbaren Untergrund hat. Das hätte zur Folge, dass noch einmal Geld investiert werden muss, um alles vom Grund auf zu erneuern.

Die Eigenleistung sollte maximal auf 5 bis 10 % beschränkt werden, damit sich der zukünftige Eigentümer finanziell nicht übernimmt. Nur wer tatsächlich sachkundig ist, sollte getrost einige größere Aufgaben übernehmen. Auch die Geldinstitute gehen sehr penibel mit dem Thema Muskelhypothek um. Die Eigenleistung sollte im Finanzierungsplan berücksichtigt werden. Das liegt vor allem daran, dass die Geldgeber ein reges Interesse daran haben, dass er Umfang der Eigenleistung realistisch geplant wird.

Vertragliche Regelungen sind wichtig

Auf jeden Fall sollte eine Eigenleistung klar vertraglich geregelt werden. Dadurch erhält jeder Bauherr die Garantie, um welche Summe sich die Bausumme reduzieren kann. Auch für den Bauunternehmer ist eine schriftliche Niederlassung wichtig. Sie zeigt an, welche Leistungen er zu erbringen hat und welche nicht in sein Gebiet fallen.

Jeder, der selber malert, dämmt oder fliest, der wird das Material teuer einkaufen müssen. Viele Bauunternehmen dagegen profitieren von Mengenrabatten, wodurch sie einiges an Geld einsparen können. Im Vorfeld sollte man sich immer die Position der Lohn- und Materialkosten erklären lassen.

Eine Anmeldung ist Pflicht

Da Baustellen immer ein gefährliches Gebiet sind, muss vorab eine Versicherung abgeschlossen werden, um bei einem Unfall nicht auf Kosten sitzen zu bleiben. Gerade wenn Familienmitglieder oder Freunde auf dem Bau helfen, müssen diese vor Schäden auf einer Baustelle optimal geschützt werden. Alle Helfer müssen bei der Berufsgenossenschaft (BG Bau) angemeldet werden. Das muss spätestens eine Woche nach Baubeginn erfolgen, damit es im Schadensfall nicht zu Problemen mit der Versicherung kommt.