Blower-Door-Test

Beim Blower-Door-Test wird überprüft, wie luftdicht ein Gebäude ist. Leckagen rechtzeitig zu erkennen kann für Hauseigentümer von großem Vorteil sein. Doch wie funktioniert der Test eigentlich?

Was ist der Blower-Door-Test?

Mit dem Blower-Door-Test kann mithilfe eines Ventilators kontrolliert werden, wie dicht eine Gebäudehülle ist. Dieses Verfahren kann sowohl den aktuellen Wert ermitteln als auch eine Leckage im Haus ausfindig machen. Wenn eine Gebäudehülle luftdicht ist, können die Wärmeverluste eines Bauwerkes deutlich reduziert werden. Das schlägt sich in einer höheren Energieeffizienz nieder.

Wie funktioniert der Blower-Door-Test?

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Foto: Jacek Kadaj / Bigstock

Als Blower-Door bezeichnet man einen Rahmen, der in die Öffnung einer Tür oder eines Fensters eingespannt werden kann. Hinzu kommt ein Hochleistungsventilator, der zur Erzeugung des Differenzdrucks benutzt wird. Unter Umständen müssen noch Planen hinzugezogen werden, um den Raum komplett luftdicht abzudichten. Die Blower-Door umfasst leistungsstarke Messtechnik, die vor, nach und während der Messung innen und außen die Differenz im Druck dokumentiert. Abhängig von der Einbaurichtung des Ventilators wird mit der Blower-Door im Gebäude ein Über- oder Unterdruck erzeugt. Damit kann man sowohl eine Leckage orten als auch die Luftwechselrate n 50 errechnen, festgelegt nach DIN EN 13829. Anhand der Luftwechselrate wird ersichtlich, wie oft das Luftvolumen eines Gebäudes pro Stunde ausgetauscht wird, wenn die Druckdifferenz konstante 50 Pascal beträgt.

Ein weiteres Gerät, das bei der Blower-Door-Messung zum Einsatz kommt, ist das thermische Anemometer. Damit kann gemessen werden, wie viel warme Luft durch den Ventilator nach draußen strömt und an welchen Punkten Kälte hineinkommt. Ein Anemometer verfügt über einen außen liegenden Heizdraht, der speziell für die Messung erwärmt wird. Je größer das Luftvolumen ist, desto mehr Wärme gibt der Draht ab. Die Windgeschwindigkeit am Messpunkt kann anhand dieses Wärmeverlustes berechnet werden. Manchmal müssen Thermografiekameras hinzugezogen werden. Diese Kameras stellen mit verschiedenen Farbschichten dar, wo im Gebäude kühle Luft einströmt. Eine Möglichkeit, die ebenfalls zum Einsatz kommen kann, ist die Vernebelung des Baus mit künstlichem Rauch. An den Stellen, an denen dieser ausströmt, befindet sich eine Leckage.

Wann ist eine Blower-Door-Messung angebracht?

Die Blower-Door-Messung ist verpflichtend, wenn eine Lüftungsanlage im Gebäude vorhanden ist und geplant ist, Fördermittel der Kreditbank für Wiederaufbau zu beantragen. Die Messung ist ebenfalls Pflicht, wenn gemäß der Energiesparverordnung der Primärenergiebedarf mit einer besonders hohen Dichtheit bestimmt werden soll. Als Grenzwert ist hier eine Luftwechselrate im betreffenden Gebäude von 0,6 1/h zu nennen. Empfehlenswert ist die Blower-Door-Messung aber auch bei Sanierungsmaßnahmen oder Neubauten. Zwar wird das nicht vom Gesetzgeber verlangt, doch kann das Haus auf diese Weise durch die Ermittlung der Leckagen vor Schimmel geschützt werden. Zeigen die Messwerte eine zu geringe Dichtheit der Gebäudehülle, müssen die Leckagen aufgespürt und beseitigt werden, da sonst im Winter durch das ungehinderte Einströmen kalter Luft außerdem die Heizkosten explodieren können. Am Fraunhofer Institut für Bauphysik haben Messungen gezeigt, dass pro Tag bereits 800 g Schmelzwasser in ein Gebäude außerhalb der Luftdichtheitsebene eindringen können, wenn nur eine kleine Fuge vorhanden ist.

Typisch undichte Stellen im Haus sind:

  • Bereiche unter Fensterbänken
  • Haustüren, Balkon- und Terrassentüren sowie Fenster
  • Sanitärinstallationen
  • Türlaibungen
  • Bereiche um Steckdosen und Lichtschalter
  • Rohrdurchführungen innerhalb der luftdichten Ebene

Wie dicht sollte ein Haus eigentlich sein?

Der beim Blower-Door-Test normale Wert für ein Einfamilienhaus ist eine Luftwechselrate von unter drei. Dieser Wert gibt für einen 50-Pascal-Differenzdruck an, wie oft in einem Gebäude das Luftvolumen pro Stunde ausgetauscht wird, im Fall des Einfamilienhauses also drei Mal pro Stunde. Bei Passivhäusern beträgt der Grenzwert 0,6. Das zeigt, dass selbst bei dichten Häusern ein simples Durchlüften nicht ausreichend ist, um feuchte Luft wieder aus dem Gebäude zu bekommen. Dabei kommt sogar noch mehr feuchte Luft hinein. Daher werden zur Vermeidung von Schimmel und zum Regulieren des Luftaustauschs in Passivhäusern Lüftungsanlagen eingebaut. Ein luftdichtes Haus verbraucht nicht nur weniger Energie, sondern hat auch weniger Feuchtigkeitsschäden durch Kondensation und ist schalldichter.

So läuft ein Blower-Door-Test ab

Im ersten Schritt lernt der Sachverständige das Gebäude kennen und prüft, ob eine Messung grundsätzlich möglich ist. Mit dem Eigentümer werden die zu prüfenden Bereiche und die Öffnung für die Blower-Door festgelegt. Eine Messung ist nur dann sinnvoll, wenn die luftdichte Ebene in dem Gebäude bereits fertig ist. Während der Prüfung müssen Heizung und Lüftung ausgeschaltet sein. Es gibt zwei verschiedene Messverfahren, einmal die Prüfung des Gebäudes im Nutzungszustand und einmal die der Gebäudehülle. Während der Messung darf niemand das Gebäude betreten oder ein Fenster öffnen, da es sonst zu einem Druckabfall kommt, den die Blower-Door durch Beschleunigung des Ventilators versuchen muss, auszugleichen. Das verfälscht wiederum die Messergebnisse. Nach Einbau der Blower-Door in eine druckneutrale Zone wird eine zum Gebäude passende Ventilatorblende gewählt und ein konstanter Unterdruck von 50 Pascal erzeugt. Das ermöglicht es, undichte Stellen sogar von Hand aufzuspüren. Alle Leckagen werden ordnungsgemäß dokumentiert. Kleinere Reparaturarbeiten können sofort durchgeführt werden. Vor der Luftdichtheitsmessung werden Wind und Temperaturverhältnisse geprüft und danach der Vorgang im Überdruckverfahren wiederholt. Der Computer zeichnet alle Ergebnisse auf und wertet sie aus. So kann sofort mitgeteilt werden, ob das Gebäude den Anforderungen an Luftdichtheit entspricht. Ohne Lüftungsanlage darf die Luftwechselrate den Wert drei nicht überschreiten, mit Lüftungsanlage beträgt das Maximum die Hälfte.

Fazit

Ein Blower-Door-Test ist nicht nur heiße Luft, sondern er zeigt effektiv die Schwachstellen eines Gebäude auf. Leckagen können so früh abgedichtet werden, was riesige Ersparnisse bei den Heizkosten mit sich bringen kann. Am besten wird die Prüfung bei einem Neubau oder vor einer Sanierung vorgenommen.